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Working at an amusement park (1/?)
#1
Ich arbeite in einem Vergnügungspark. Nur die Hälfte der Monster sind bezahlte Schauspieler.
 
Ich sollte damit anfangen, einige Dinge zu erklären. Unser Park fokussiert sich nicht auf ein spezifisches Thema. Wir haben vier Sektionen, die von einander abgezäunt sind. Es gibt eine spukige, eine Wild-West, eine Old Time Hollywood und eine, die aussieht, als ob alles dort aus Süßigkeiten gemacht wurde. Wir hatten eine Menge Besucher, meistens Familien und junge Paare. Jeder einzelne von uns Schauspielern, den wirklichen Schauspielern, ist einem der spezifischen, anderen Dinge zugewiesen. Die, die keine Schauspieler sind, tun so, als wären sie es.
 
Jetzt wirst du dich vielleicht fragen, warum ein Park nichtmenschliche Kreaturen herumhalten würde, die seine für seine Besucher eine potentielle Gefahr darstellen und natürlich würdest du für eine exakte Antwort die Verwaltung fragen müssen.
 
Meine beste Annahme ist jedenfalls, dass sie in der Tat gute Angestellte sind: Sie müssen nicht bezahlt werden, sehen extrem echt aus und ermöglichen ein weitaus authentischeres Erlebnis. Selbstverständlich kann das Erlebte nicht zu authentisch sein, wenn du verstehst, worauf ich hinaus möchte. Das ist, wofür wir, die wirklichen Schauspieler, hier sind.
 
Für jede Sektion gibt es zwei Schauspieler und zwei von den Anderen. Wir haben keinen spezifischen Namen für sie, aber wir nennen sie die meiste Zeit Anwärter, Nicht-Schauspieler oder Monster. Unser Hauptziel ist es, die Kontrolle über den uns zugewiesenen zu behalten – Es so aussehen zu lassen, als ob sie ebenfalls Schauspieler sind, nicht seltsame Wesen, deren Herkunft wir nicht einmal kennen.
 
Nimm mein Monster als Beispiel. Ich arbeite in der Horror-Sektion, was bedeutet, dass mein Bereich die zwei Freudenhäuser sind, das Größere von beiden im Krankenhaus-Stil gehalten, als Achterbahn drinnen und draußen das Andere wirklich coole, das sich um einen gigantischen Totenschädel herum windet. Die Achterbahn führt über den Mund hinein, kommt aus der einen Augenhöhle heraus und geht durch die andere wieder hinein. Es ist wirklich ein geniales Design.
 
Ich habe meinen Tag damit verbracht, in meinem Kostüm herumzulaufen, entweder die Besucher mit meiner Peitsche jagend, was, nur um das klarzustellen zu meiner Rolle gehört, oder es an der Kette herumzuführen, die am Eisenkragen um seinen Hals herum befestigt ist. Gott helfe uns, falls dieses Ding jemals abgeht.
 
Dasjenige, dem ich zugewiesen wurde, ist hoch, breit und hat schwarzes, überraschenderweise flauschiges Fell, ein rundes, flaches Gesicht und zwei große Widderhörner auf seinem Kopf. Seine Augen sind zwei große, rote Knöpfe und sein Mund beinhaltet eine Menge glänzender, scharfer Reißzähne. Seine Zunge hängt für gewöhnlich aus seinem Schlund heraus, schwarzer Sabber läuft durchgehend daran hinunter. Sein offizieller Name ist Mr. Scratch im Gleichklang mit seinen übergroßen Krallen, aber ich nenne es die Sockenpuppe.
 
Mr. Scratch ist ganz offensichtlich ein Kostüm. Er bewegt sich träge und es gibt an einigen Stellen sogar Nähte und Stiche zu sehen. Das Kostüm selbst ist jedenfalls ein lebendes, atmendes Etwas. Du würdest es nicht bemerken, wenn du es nur sehen würdest, wie es an meiner Seite herumläuft. Ich habe das jedenfalls ziemlich bald herausgefunden, und zwar an meinem ersten Tag.
 
Als sie mir erzählten, dass sie mir den Job als Schauspieler wegen meiner physischen Stärke gegeben hatten und dass sie mich bräuchten, um auf ein Monster in gewisser Weise, aufzupassen, war ich sprachlos. Dann wiederum enthielt mein Bewerbungsgespräch Fragen wie „Würden Sie sich selbst als relativ furchtlos bezeichnen?“ und „Wenn Sie von einem wilden Tier attackiert werden würden, würden Sie a. es vertreiben, b. um Ihr Leben rennen und Hilfe rufen oder c. sich verstecken?“ also… dort waren die Warnsignale.
 
Aber natürlich war meine erste Reaktion Unglaube, welcher übrigens mit ernster, kühler Erkenntnis innerhalb von Rekordzeit ersetzt wurde, gleich an dem Tag, als ich begann, in meinem „Schauspieler“-Job zu arbeiten.
 
Mein Vorgesetzter Dale, ein mürrischer, widerlicher Kerl in seinen späten Zwanzigern, ließ mich das Kostüm anziehen, das ich mittlerweile seit drei Jahren jeden Tag trage. Es ist hart, zu beschreiben, ein Bisschen wie ein Goth-Monsterjäger-Outfit, dazu eine Peitsche, aber es sieht wirklich schick aus und ist angenehm komfortabel.
 
Er führte mich dann zu einem großen Käfig in der Horror-Sektion. Es stand neben dem größeren Freudenhaus. Dessen Tür wurde von einer Kette mit einem übergroßen Schloss daran geschlossen gehalten. Auf dem Schild darüber stand „Mr. Scratch“ in großen, verdrehten, roten Buchstaben.
 
Dale lud den großen Plastikbeutel ab, den er auf seiner Schulter getragen hatte und warf ihn vor mir auf den Boden. „Du wirst eine Lammkeule und die Metalleine darin finden“, sagte er kurz, auf die Tasche nickend.
 
„Eine Lammkeule?“, fragte ich nach.
 
Dale gab mir ein schmuddeliges, gelbzähniges Grinsen. „Wir haben herausgefunden, dass es Lamm mag“, antwortete er, als ob das mir überhaupt irgendetwas erklären würde. Er holte einen kleinen Schlüssel aus seiner Tasche heraus und lief zu dem Käfig hinüber. „Ich werde es für dich herauslassen, aber nur dieses eine Mal, sodass du es zähmen kannst. Wenn du darüber hinweggekommen bist, werde ich dir den Schlüssel geben. Werde dann keine Zeit mehr damit verschwenden, deinen Job zu machen.“
 
Ein Teil von mir dachte immer noch, dass er sich mit anlegen wollte, aber ich begann, daran meine Zweifel zu haben. Er ging vor in Richtung des Käfigs und drehte den Schlüssel im Schloss. Die Tür sprang mit einem knarrenden Geräusch auf und Dale trat beiseite.
 
Zunächst passierte nichts. Dann trat aus dem Teil des Käfigs, der noch nicht vom spärlichen Sonnenlicht des frühen Morgens erreicht war, das Ding hervor, das sie Mr. Scratch nannten. Es verließ den Käfig in einer langsamen, bedrohlichen Gangart auf allen vieren, jedoch als es erst draußen war, stellte es sich auf seine Hinterbeine und hob seinen Kopf, langsam seinen Mund öffnend, nur damit seine lange, klebrige Zunge herausfallen konnte.
 
Ich starrte auf das sich bewegende Kostüm, dann auf Dale. Ich war kurz davor, meine Beherrschung zu verlieren. „Machen Sie Witze?“, fragte ich. „Sagen Sie diesem Idioten in dem Kostüm, dass er mit dem Unsinn aufhören soll. Wenn ihr Typen meint, dass ihr dem Neuen blöd kommen könnt…“
 
Aber der Blick auf Dales Gesicht war ernst. Er wirkte ein Bisschen verängstigt. „Fütter es!“, zischte er. „Fütter es und dann leg die Leine an!“
 
Ich schüttelte meinen Kopf und verdrehte die Augen, aber entschied, mitzuspielen. Ich bückte mich und hob die Plastiktasche auf, holte die Lammkeule daraus und winkte damit dem bewegten Kostüm zu. „Komm und hol’s dir!“, sang ich, mir ungeheuer dumm vorkommend, weil ich mit einer Person wie mit einem Hund sprach.
 
Das Ding kam mit überraschender Geschwindigkeit auf mich zu gehoppelt und riss mir den Schenkel aus der Hand. Als seine Zähne unbefangen in das Fleisch
 
Als seine Zähne unbefangen in das Fleisch sanken und ich die Kreatur beobachtete, wie sie es in Stücke riss und hinunterschlang, realisierte ich, dass ich nicht auf eine Person im Kostüm schaute. Von plötzlichem Mut ergriffen, näherte ich mich ihm mit langsamen Schritten, streckte meine Hand aus und ließ meine Handfläche über sein glänzendes, schwarzes Fell gleiten.
 
Es war warm.
 
Ich konnte fühlen, wie sich seine Brust auf und ab bewegte und die Muskeln unter seiner Haut pulsierten, sich bewegten. Ich starrte das Ding mit geweiteten Augen aus, nicht daran glaubend, was ich sah.
 
Endlich trat ich zurück in Aktion und hob die Leine aus der Tasche heraus. Ich befestigte es an der metallischen Halskette und, nachdem ich sichergestellt hatte, dass ich es gut im Griff hatte, gab ich ihm einen experimentellen Zug. Der Kopf der Bestie bewegte sich ruckweise auf mich zu und ich stolperte geschockt zurück, aber schaffte es schnell, meinen festen Stand zurückzugewinnen. Glücklicherweise schien das Ding, immer noch mehr an seiner Mahlzeit interessiert zu sein, als an mir.
 
Dale kam herübergeschlendert und gab mir einen Klopfer auf die Schulter, was nur, um das einmal festzuhalten, die einzige freundliche Geste ist, die ich jemals von ihm bekommen habe. Er reichte mir den Schlüssel für den Käfig von Mr. Schratch herüber und sagte mir, ich solle sicherstellen, dass ich ihn nicht verliere.
 
Ich fragte ihn später scherzhaft, ob die Kreatur jemals einen ihrer anderen Wärter angegriffen habe, woraufhin er ein lautes Lachen herausbrachte, bevor er auf eine plötzlich in einem ziemlich ernsten Ton antwortete: „Nein. Mit einer Ausnahme.“
 
„Die da wäre…“, brachte ich dar.
 
Dale lachte erneut, bevor er hinzufügte: „Nur der Typ vor dir. Er war gut in seinem Job, aber wir mussten ihn gehen lassen. Du kannst nicht der Monsterbändiger sein, wenn deine beiden Beine fehlen.“ Meinen erschrockenen Ausdruck sehend, grinste er blöd und sagte mir, ich solle mich nicht zu sehr davon treffen lassen, er war sich sicher, Mr. Scratch mich mehr mochte.
 
Er liest dies höchst wahrscheinlich nicht, also fühle ich mich hier sicher, wenn ich sage, dass Dale ein Arschloch ist.
 
Bezüglich des Monsters habe ich schon erwähnt, dass ich mir angewöhnt habe, es als die Sockenpuppe zu bezeichnen. Nachdem ich meine Beschreibung von ihm las, erhoffe ich mir, dass ihr verstehen könnt, woran ich das festmache. Die Sockenpuppe und ich kommen übrigens sehr gut miteinander aus. Er hat nie wirklich Probleme verursacht. ich führe ihn normalerweise im Park herum und manchmal lasse ich ihn hervorschießen, um einen Besucher ganz plötzlich zu erschrecken, nur um ihn zurückzuziehen und dem Besucher zu zu zischen, dass er ihm nicht zu nahekommen soll. Das ist unser Lieblingstrick.
 
Er ist mir zuvor zwei Mal davongerannt, aber dies sind Geschichten für einen anderen Tag. Alles in allem kommen Mr. Scratch und ich sehr gut miteinander aus.
 
Schade, dass man nicht dasselbe über einige der anderen Schauspieler und deren Anwärter sagen kann.
 
Wenn ich über meine Kollegen spreche, denke ich, dass es nur sinnvoll ist, wenn ich mit dem anfange, der im gleichen Teil des Parks wie ich arbeitet. Das wäre dann Darius. Er ist sehr nett, aber leicht reizbar. Er redet eine Menge davon, dass er sich einen anderen Job wünscht, aber entweder ist das nur eine leere Phrase seinerseits oder er hat keinen gefunden, weil er nach drei Jahren immer noch hier arbeitet.
 
Ich habe ihn am zweiten Tag meines Jobs getroffen. Selbstverständlich hat Dale darin versagt, mich überhaupt einem meiner Kollegen vorzustellen, er hatte mir eine kurze Übersicht darüber gegeben, wen ich noch treffen würde und was ich zu erwarten hätte. Er hatte sich mit seinen Ausführungen nicht viel Mühe gegeben.
 
Ich war auf meinem Weg zum Käfig von Mr. Scratch am frühen Morgen, ungefähr eine halbe Stunde vor der Öffnung des Parks an diesem Tag. Ich war bereits verkleidet und bereit, die Sockenpuppe herauszulassen, führte die Metallleine und eine Tüte Hundeleckerlis mit mir. Beides fiel mir herunter, als ich mit dem Mann im Doktor-Kostüm zusammenstieß der scheinbar aus dem Nichts kam. Aufgrund seines mit Kunstblut verschmierten Laborkittels und der chirurgischen Gesichtsmaske, die um seinen Hals herumbaumelte, schätzte ich ein, er sei ein weiterer Schauspieler.
 
„Hey! Ich bin Darius. Du musst der neue Wärter sein.“, stammelte er und ohne mir Zeit zum Antworten zu lassen, fügte er hinzu: „Ich brauche gerade wirklich deine Hilfe.“
 
„Okay“, antwortete ich betroffen. „Was ist los?“
 
„Hat Dale dir schon erzählt von… denen?“, fragt er und ich nickte. Er schien erleichtert.
 
„Oh, Gott sei Dank. Okay, also, ich muss selbst auf eins aufpassen. Sie ist wie eine Zombie-Krankenschwester, schwer zu beschreiben, aber du wirst es verstehen, wenn du sie siehst! So oder so, wir können sie nicht wirklich an eine Kette binden wie Scratch also lassen wir sie in diesem Teil des Parks frei herumlaufen… unter meiner Aufsicht, versteht sich. Aber ich habe sie irgendwie aus den Augen verloren und nun weiß ich nicht, wo sie ist! Wir können nicht zulassen, dass sie in der kinderfreundlichen Sektion herumspaziert, sonst werden die Besucher ausrasten! Du musst mir bitte helfen, uns bleibt nicht viel Zeit!“
 
Ich ließ die Leine und die Hundeleckerlis liegen und wir beide machten uns auf den Weg. Darius erzählte mir, dass er in unserer Sektion bereits nach ihr Ausschau gehalten habe, somit musste sie in einer der anderen sein. Unsere erste Vermutung lag beim Hollywood-Teil, da es ziemlich direkt neben unserem lag.
 
Obwohl wir sie dort nicht fanden, gab Darius unserer Zeit einen Nutzen, indem er mich über die genaueren Details informierte, wie der Park funktionierte. All die Nicht-Schauspieler werden über Nacht in Käfige gesperrt, damit sie nicht abhauen. Eine halbe Stunde vor der Öffnungszeit werden sie herausgelassen. Er erzählte mir ebenfalls ein Bisschen von einigen der Monster, aber sagte, es würde am besten für mich sein, es selbst herauszufinden. Wir sind auf unserem Weg durch die Hollywood-Sektion an keinem vorbeigekommen, aber wir haben dafür die Krankenschwester gefunden.
 
Sie stand direkt neben einer Fressbude, deren Besitzer glücklicherweise noch nicht dort angekommen war. Sie hatte uns den Rücken zugewandt und taumelte schwach. Ihre schenkellanges Krankenschwester-Kostüm war mit roten Flecken verschmiert, not anders als das von Darius, aber etwas sagte mir, dass bei ihr kein Kunstblut verwendet wurde.
 
„Gott sei Dank, da ist sie.“, murmelte Darius. „Dale hätte mich kalt gemacht.“
 
„Was nun?“, fragte ich.
 
„Ich werde sie einfach zu unserer Sektion zurückbringen. So einfach ist das.“, antwortete er. „Sie ist quasi hirntot.“
 
Ich sah zu, als er an sie heranging, sie bei den Schultern nahm und sie umdrehte. Ich würgte fast, als ich ihr Gesicht sah. Ihr unterer Kiefer fehlte, die andere Hälfte baumelte lose an ihrem Kopf herum. Blut tropfte pausenlos von ihrer Zunge, so wie bei der von Mr. Scratch. Sie war komplett unansprechbar, ihre Augen starrten an mir und Darius vorbei in die Ferne. Wenn sie gewusst hätte, dass wir da waren, hätte sie es nicht zugelassen.
 
Ich folgte Darius, der die Krankenschwester an ihren Schultern zurück zum Eingang der Horror-Sektion führe. Es waren immer noch zehn Minuten übrig, bevor der Park Besucher hineinlassen würde. Als ich dies realisierte, beeilte ich mich damit, die Sockenpuppe aus ihrem Käfig herauszulassen und ihr die Leine anzulegen. Und das war’s quasi.
 
Der Anblick der untoten Krankenschwester mag mich für eine gewisse Zeit angeekelt haben, aber ich lernte ziemlich bald, dass sie nicht das war, was ich fürchten müsste. Dort sind einige viel, viel schlimmere Dinge in diesem Park als sie.

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Quelle
Übersetzer: catterhacker
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