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Burning Blades - Episode 3
#1
Nach einer Weile jetzt auch die 3. Episode von Burning Blades.
Eiegntlich wollte ich zu jedem Teil eine Zeichnung machen, da bin ich aber wohl zu faul dafür...^^

"Komm schon, ich weiss, dass du ein Auge auf sie geworfen hast!"
"Ach ja? Und woher willst du das wissen?"
"Du hast in letzter Zeit oft mit ihr geredet und warst für deine Verhältnisse ausserordentlich freundlich und hilfsbereit und die Art, wie du sie ansiehst, entspricht der eines Hundes, der die Wurst an der Decke anhimmelt."
Dan, der gerade einen grossen Schluck Kaffee nahm, prustete in das heisse Frühstücksgetränk. "Einem Hund, der eine Wurst anhimmelt? Ich bitte dich, wohl eher einem Wolf, der seiner Beute nachstellt!"
"Welch wunderbar romantische Metapher…", spottete Laria, während sie sich Butter auf ein Stück Brot schmierte. Sie befanden sich im grossen Speisesaal, der sich im Schwarzen Turm befand, dem Zentrum der Magischen Akademie. Überall an den langen Bänken sassen Gestalten in Grauen und in weissen Umhängen, Magier und Kriegsmagier. Sie alle trugen das Zeichen einer der beiden Gruppen auf ihren Mänteln. Ein Kreis in dem sich ein umgedrehtes Dreieck befand. An seinen Ecken hatte es weitere, kleinere Kreise um die sich Schriftzüge rankten. Sammeln, Mehren, Erschaffen. Drei der wichtigsten Möglichkeiten der Magie. Ein Zaubernder konnte die Elemente, die sich in der Umgebung befanden auf einen Punkt versammeln und notfalls mithilfe dieser Informationen auch die Atome vervielfachen. Anschliessend erschafft er mit verschiedenen Methoden etwas Neues. Sei es eine Flamme, ein Wirbelsturm oder ein mächtiger Blitz.
Die beiden Symbole unterschieden sich nur in ihrer Mitte voneinander. In Dans und Larias Fall befand sich dort eine Hand. Das Symbol für Stärke. Bei den Magiern hingegen bildete ein Auge den Mittelpunkt. Das Symbol für Wissen.
Der Speisesaal verfügte über mächtige Granitwände, denen Statuen entwuchsen, die Kohlebecken in ihren Steinernen Händen hielten. Neben den Statuen befanden sich hohe Buntglasfenster, auf denen Zaubernde Menschen zu sehen waren und Elfen, die den Menschen die Kunst der Magie lernten.
Dan kam es so vor, als ob einige dieser Bildnisse ihn direkt ansehen würden, während er seinen Kaffee trank und sich mit Laria unterhielt.
"Nein, ernsthaft. Ich habe kein Auge auf Nelia geworfen, wir sind nur befreundet. Natürlich bin ich auch nicht so gut mit ihr befreundet, wie mit dir," Dan lächelte, innerlich seufzte er aber. Wann würde er Laria wohl endlich gestehen können, dass sein Herz allein ihr gehörte?
"Wenn du meinst…"
"Was willst du eigentlich heute machen? Wir haben ja Sonntag und nichts zu tun", wechselte er das Thema.
"Keine Ahnung, ich habe meine Eltern schon eine Weile nicht mehr besucht. Vielleicht könnten wir mal dort vorbeischauen? Dad wollte sowieso noch, dass ich mich etwas um seinen Garten kümmere. Seine Kartoffeln wachsen angeblich schlecht, dieses Jahr."
"In Ordnung", meinte Dan und trank den letzten Schluck Kaffee. "Also von mir aus, können wir gleich los."
Laria nickte und sie erhoben sich von der Bank. Er warf einen Blick nach vorne, zu der Erhebung am anderen Ende der Halle. Dort sassen sie an einem grossen, gekrümmten Tisch: die Dunkelmäntel, der Rat an der Spitze der Magischen Akademie und die Stärksten Magier des Landes, oder gar des ganzen Kontinents.
Ganz rechts sass Seroth Wüstenklaue, ein Vesper der sich auf hinterhältige Angriffe mit Sand, Rauch und Feuer spezialisiert hatte. Aufmerksame, blaue Augen blickten unter der Schwarzen Kapuze hervor und seine grosse Schnauze ruckte mit schnellen Bewegungen umher. Dicke, mit Haut überzogene Knochenplatten zierten seinen Schädel und wie Dan wusste, verliefen sie auch seinen langen Hals hinab und über den geraden Rücken bis hin zum schuppigen Echsenschwanz.
Seroth trug den schwarzen Umhang der Dunkelmäntel recht unüblich. Die Ärmel hatte er entfernt und er trug nur noch Lederarmschienen, an denen er kleine Messer befestigt hatte. Unter dem offenen Mantel trug er eine graue Lederweste, eine Schwarze Hose und einen Gurt, in dem zwei weitere Dolche steckten.

Zu Sseroths Linken sass Deziâl Blitzwirker, ein Elf, der aussah als sei er in seinen mittleren Jahren. In Wirklichkeit war er aber schon um die hundert Sommer alt. Im Gegensatz zu Seroth trug Deziâl seinen Umhang bis oben zugeknöpft und das Kleidungsstück unter dem Umhang umschloss seinen Hals mit einem steifen Kragen. Der Elf hatte weissblondes Haar, welches ihm glatt über die Schultern fiel. Sein Blick verriet Strenge und Zielstrebigkeit und seine Hand ruhte auf seinem Schwert, als sei er jederzeit bereit, aus dem Nichts einen Schlag zu parieren. So wie Dan seine Waffe gerne in Flammen hüllte, hüllte Deziâl sie gerne in zuckende Blitze. Überhaupt verstand er sich bestens mit allen Arten von Energie. Sei es mit zerstörerischer Elektrizität oder mit schützenden Kraftfeldern.
Neben Deziâl sass der Dritte im Rat der Dunkelmäntel. Goran, der Wellenbrecher. Ein Meister, wenn es um Wasser und Eis ging. Der Alte hatte sein graues Haar und seinen langen Bart zu Zöpfen geflochten, wie es im Norden Tradition war. Er sass schon recht gekrümmt an dem Marmornen Tisch, blickte aber nicht minder Wachsam in den Speisesaal hinaus als die anderen Beiden.
Der letzte Platz am Tisch der Dunkelmäntel war unbesetzt. Teresa Schattenwandler war schon vor einiger Zeit gestorben und hatte eine grosse Lücke in der Akademie verlassen. Die meisten hier hatten sie trotz ihres unheimlichen Äusseren gemocht, Dan mit eingeschlossen.

Es schien, als ob Dan die Mitglieder des Rates etwas zu lang angesehen hätte. Deziâl blickte ihn bereits über den Rand seiner Teetasse an. Seine Augen verengten sich kurz, als ihre Blicke sich trafen. Dann deutete er ein Lächeln an und wandte sich ab, um mit Goran zu sprechen.
Dan senkte den Blick und beeilte sich, Laria nachzulaufen. Sie gingen durch das hohe Tor, welches in den riesigen Innenhof der Akademie führte. Ein Kreuzgang umgab die Gärten, Brunnen und Übungsplätze des Innenhofs. Auf der linken Seite bestand der mit kunstvoll gemeisselten Verzierungen versehene Kreuzgang aus grauem- und auf der rechten Seite aus weissem Marmor. Er war die Verbindungen der drei Gebäudekomplexe der Akademie. Der Schwarze Turm, der graue Bezirk der Magier und der weisse Bezirk der Kriegsmagier.
"Sag mal, hast du eigentlich von dem neuen Mitglied der Dunkelmäntel gehört, welches Teresa ersetzen sollte?", fragte Dan, während sie durch den langen Hof wanderten.
"Nein, das wusste ich nicht. Was ist es denn für einer?", antwortete Laria und sah ihn verwundert an.
"Ich weiss auch nicht viel mehr als du. Aber man sagt, er sei noch sehr jung, dafür dass er so eine Position bekleidet. Und seine Herkunft scheint unbekannt zu sein, er habe nicht einmal eine offizielle Ausbildung erhalten. Sein Titel lautet Sturmschmied, glaube ich."
"Ein Dunkelmantel ohne richtige Ausbildung? Ist das überhaupt möglich?"
"Scheint so", meinte Dan. "Ich hoffe nur, dass er die Schattenwandlerin gut ersetzen wird."
Laria nickte. "Sie war etwas seltsam und schien oft von der Realität entrückt, aber ihr Unterricht war mit Abstand der beste."
"Weisst du noch, wie unheimlich sie war, wenn ihr sehendes Auge dich anstarrte und das milchig weisse nur in der Augenhöhle rumzuckte?"
"Oh ja, Norri, dieser dicke aus dem ersten Grad, hat immer gezittert, wenn er mit ihr sprach."
"Dieser Schisser hat vor allem gezittert, was grösser als eine Katze war. Ist also nicht weiter verwunderlich!"
Beide lachten, während sie durch das mächtige Haupttor auf die Strassen Telnais traten. Die Hauptstadt war voller Leben und bewohnt von Völkern des halben Kontinents. Hoch über ihren Köpfen zog ein Drache seine Runden. Der Reiter, der auf dem geflügelten Biest sass, blickte auf die breiten Pflasterstrassen und die unzähligen Fachwerkhäuser hinab, aus denen Telnai gebildet war. Vermutlich sah er von dort aus auch die Kathedrale und den Königspalast, wo König Teron regierte. "Der Wolf", wie er oft genannt wurde.
Der Drache stiess einen schrillen Schrei aus und drehte elegant im Aufwind treibend ab.
"Schon beeindruckend, diese Drachen…", meinte Laria und sah ihm mit zusammengekniffenen Augen nach.
Dan nickte. Er hatte schon immer eine Vorliebe für Drachen gehabt. Die anderen Adepten hatte nie verstanden, weshalb er seinen Flammen oft die Form von Drachen gab und damit Energie und Konzentration verschwendete. Für ihn aber war es eine Kunst, das Gefährliche mit dem Schönen zu verbinden. Statt einfach einen Feuersturm zu erschaffen, der nur zur Zerstörung taugte, erschuf Dan eine vergängliche Schönheit, die dem Feind für eine Sekunde Erstaunen und Faszination in die Augen zauberte, bevor er im Flammenmeer verging. Manche hielten ihn wegen dieser Ansicht für einen Spinner, ihm war das aber völlig egal. Er kümmerte sich nicht um das, was andere dachten, sondern um das, was er selbst dachte.

Dan und Laria gingen die Strasse hinauf in die Äusseren Bezirke der Stadt, wo Larias Eltern lebten. Sie besassen ein grosses Haus am Fusse des Sehenden Berges. Warum der so hiess, hatte Dan nie begriffen. Vermutlich wegen den grossen Augen, die vor langer Zeit, noch vor der Gründung Telnais, auf Felsen und Monolithen überall auf dem Berg gemalt wurden.
Als sie die Strasse zu dem Haus hinaufgingen, vernahm Dan das Bellen eines Hundes und aufgebrachte Stimmen. Entsprangen sie dem Ort, den Dan fürchtete? Sie beschleunigten ihre Schritte; tatsächlich. Larias Eltern standen dort und diskutierten heftig mit einer Gruppe Soldaten. Wobei "diskutieren" nicht ganz stimmte, sie schrien sich eher an, während der Hund Larias Eltern aufgeregt um sie herum sprang und wütend bellte.
"Sir, ich muss sie und ihre Frau bitten, zu gehen", versuchte einer der Soldaten mit mühsam unterdrücktem Zorn zu erklären. "Sehen sie, hier wird ein Stützpunkt der Armee entstehen, in zwei Tagen beginnen wir mit dem Bau, also nehmen sie jetzt bitte ihre Sachen und ziehen hier aus!"
"Und ich wiederhole es jetzt noch einmal: Ich gehe nirgendwo hin! Nicht heute und nicht morgen!", zischte Larias Vater und gestikulierte drohend mit seinen Händen.
"Hier", der Soldat hielt ihm ein Stück Pergament hin. "Das ist ein ausdrücklicher Befehl des Generalobersts, der Besagt, dass hier ein Stützpunkt für die Stadtwache entstehen soll. In einem Monat wird ihr Haus durch einen Turm mit Waffenkammer, Schlafsaal, Küche, Exerzierplatz und Kerker ersetzt. In ebendiesem Kerker werden sie landen, wenn sie sich wiedersetzen!"
Der Mann riss ihm den Befehl aus den Händen. "Ich scheisse auf die Befehle eures Anführers! Wir leben schon seit Generationen in diesem Haus, da werden wir es korruptem Pack wie ihr es seid nicht einfach so überlassen!", mit diesen Worten zerriss er das Papier und liess die Fetzen auf den Boden segeln.
"Ronald, bitte hör auf…", schaltete sich die Mutter ein.
"Sir! Was fällt ihnen ein, das ist… das ist Missachtung unseres Führungsstabs!"
"EUER FÜHRUNGSSTAB KANN MICH AM ARSCH LECKEN! Ich gehe hier nicht weg!"
Dan war wie gelähmt. dieser Streit schien langsam auszuarten, aber weder er noch Laria schienen entschlossen genug, einzuschreiten.
"Das reicht, sie Blasphemist! Männer, nehmt ihn und seiner Frau in Gewahrsam und sorgt dafür, dass DIESER VERDAMMTE HUND ENDLICH RUHE GIBT!"
Einer der Soldaten, der vorsichtshalber bereits seine Armbrust geladen hatte, schoss dem knurrenden Hund einen Bolzen in den Kopf. Das Tier sank augenblicklich tot zu Boden.
"SIE VERDAMMTES SCHWEIN! ICH WERDE…", Larias Vater keuchte. Der andere Soldat hatte ihm sein Schwert in die Brust gerammt. Mit weit aufgerissenen Augen starrte der Krieger auf den Zivilist, den er soeben getötet hatte und schien seinen Fehler zu realisieren.
"RONALD!", die Mutter schrie, versuchte zu ihrem sterbenden Gatten zu eilen und fiel noch im Rennen mit einem Bolzen im Hals auf den Pflasterstein. Blut spritzte in regelmässigen Abständen aus ihrer Kehle, so viel Blut… Von weit her hörte Dan einen Schrei. Es war der von Laria. Er fühlte sich wie ein unbeteiligter Zuschauer, als Wurzeln schnell wie Pfeile aus dem Boden schossen und den Soldaten mit dem Schwert durchbohrten. Er wurde von der Wucht mitgerissen und hing ein Stück in der Luft, während er wie ein geschlachtetes Tier ausblutete. Dans Sicht verschwamm, während weitere Wurzeln die anderen Soldaten packten. Auch sie wurden hochgehoben und würgten, während sie sich aus dem festen Griff zu befreien versuchten. Das Würgen endete erst, als ein scharfes Knacken zu hören war.
Nach dem Knacken hörte er nur noch weinen. Ein weinen, so voller Schmerz und Verzweiflung, wie er es noch nie gehört hatte. Es fühlte sich so an, als dränge es hinter einer Wand an sein Ohr. Die Wand, hinter der er sich versteckte, die ihn vor der grausamen Realität schützte. Schliesslich verschwand sein Blickfeld vollkommen. Geblieben war nur Schwärze.

_________

Dan beobachtete die feinen Staubkörnchen, die durch das Licht des Sonnenuntergangs sichtbar wurden. Er hatte noch nie bemerkt, wie unzählige dieser Staubpartikel beinahe unsichtbar in der Luft schwebten. Meistens ungesehen und doch immer anwesend. Er benutzte seine Magie und war überrascht, wie viele Elemente sich im Staub befanden. Zu viele, um sie einzeln wahrzunehmen.
Dan seufzte. Die lange Zeit des angespannten Wartens liess ihn über belanglose Dinge nachdenken. Dabei gab es doch so viel wichtiges, worüber er nachdenken konnte. Der Tod von Larias Eltern, den Schock den sie erlitten hatte, die Folgen des Vorfalls von heute Morgen…
Er blickte auf seine Hände, die er wie beim Gebet gefaltet hatte. Dabei glaubte er gar nicht an die Götter. Weder an die Teldoth und die Miydoth, die Hohen und die Irdenen Götter, noch an den Einen Gott, den die Neue Kirche anbetete. Auch die Naturgötter der Elfen und Orks oder die Berggötter der Zwerge aus den Sturmbergen hielt er für Absurd. Religion war für ihn nur ein Hirngespinst alter Priester, die sich all die Naturphänomene und Katastrophen nicht erklären konnten. Völliger Schwachsinn, wobei er das natürlich keinem dieser Priester persönlich sagen würde.

Bevor er in Gedanken wieder abdriftete, vernahm Dan schwere Schritte aus dem Geschoss unter ihm. Definitiv die Schritte Alrons. Sein Schatten erschien bereits auf den schlecht verputzten, weissen Wänden des Krankenhaus, während er die Treppe hochstieg. Der stämmige Kriegsmagier trat ausnahmsweise ohne Mantel und Rüstung vor ihn. Nur mit weissen Stoffhosen und einem grünen Hemd, welches mit silbernen Stickereien verziert war. Er sah Dan mit einer Sorgenfalte im bärtigen Gesicht an.
"Wie geht es dir?", fragte er nach einiger Zeit der Stille.
"So gut wie es mir gehen kann, nachdem ich Zeuge des ersten Blutbads meines Lebens war."
Alron nickte und es folgte ein weiterer Moment des Schweigens.
"Standest du ihnen nahe?"
"Ich glaube schon. Ich habe sie nicht sehr oft gesehen, aber mich immer gut mit ihnen verstanden. Immerhin waren sie die Eltern meiner besten Freundin."
"Ich verstehe… es ist schlimm, wenn diejenigen sterben, die deinen Freunden am nächsten stehen. Und noch schlimmer ist es, wenn deine eigenen Liebsten sterben…"
"Laria wird nicht sterben", Dan versuchte, mit starker Stimme zu sprechen. Eine einzelne Träne rann seine Wange hinunter. "Nicht heute und nicht morgen. Nicht solange ich bei ihr bin und nicht solange ich atme!"
Alron lächelte wehmütig und setzte sich neben Dan auf die hölzerne Bank. "Auch ich hatte einst einen guten Freund. Sein Name lautete Edwin. Wir wuchsen beide in einem kleinen Dorf auf und verbrachten fast jede freie Minute miteinander. Als wir 15 waren, unternahmen wir an einem klaren Wintertag einen Ausritt mit den Pferden seines Vaters. Es war herrlich, wir hatten gute Laune und ritten stundenlang durch die verschneite Landschaft und spielten im Schnee. Unterwegs kam uns dann der Gedanke, ein kleines Wettrennen zu machen. Der Verlierer musste zuhause seine Portion Apfelkuchen abtreten. Natürlich gingen wir damals davon aus, dass seine Mutter uns Apfelkuchen backen würde. Wir galoppierten also über zugeschneite Felder und winterliche Wälder, trieben unsere Pferde immer weiter an und hatten nur noch die vorbeisausende Landschaft, den Apfelkuchen und den Rausch des Adrenalins im Kopf. Immer schneller ging der Ritt, unsere Pferde hatten bereits Schaumflocken im Mund, aber das war uns egal. Wir achteten weder auf unsere Reittiere, noch auf die Gefahren, welche der Weg uns bot", Alron vergrub sein Gesicht in den Händen. "Wir waren solche Idioten. Jedenfalls hörte ich nach einiger Zeit Edwin erschrocken aufschreien und mein Gefährte war verschwunden. Hinter mir hörte ich sein Pferd wiehern und sah, wie es sich auf die Beine kämpfte. Ein Stück weiter vorne wuchs ein roter Fleck im Schnee. Dort lag Edwin und hielt sein rechtes Bein umklammert. Als ich vom Pferd sprang und ihm zu Hilfe eilte, erkannte ich den blutigen Ast, der sein Bein durchbohrt hatte. Es hatte seinen Oberschenkel getroffen. Dort, wo eine Schlagader die Beine mit dem Herz verband. Vermutlich war sein Pferd über einen Stein, oder einen Baumstamm gestolpert und hatte ihn so abgeworfen. Und er selbst war dann auf diesem verdammten Ast gelandet", Alrons Stimme wurde brüchig, als er fortfuhr: "Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Ich hatte die Wunde mit einem Streifen meines Hemdes abgebunden, aber es nutzte nichts. Es blutete weiter und Edwin wurde immer schwächer und schwächer. Ich war gezwungen, dabei zuzusehen, wie er im tiefen Schnee lag und langsam verblutete, während ich seine Hand hielt. Als letztes sagte er mir noch, was für ein guter Freund ich ihm gewesen sei und dass ich Daheim seine Entschuldigung ausrichten sollte. Seine Entschuldigung dafür, dass er seine Eltern enttäuscht habe. Mit seinem Leichnam hinten auf dem Pferd musste ich auf dem ganzen Rückweg weinen. Die Tränen erstarrten wie gefrorene Wasserfälle auf meinen Wangen."
Alron rieb sich seine Augen und gewann die Fassung zurück.
"Du siehst, der Tod kommt manchmal wie ein Dolchstoss in deinen Rücken. Unerwartet und grausam. Ich hoffe, dir wird so etwas nie passieren, dennoch solltest du immer auf das Schlimmste vorbereitet sein, nicht so wie ich damals. Wenn ich vorbereitet gewesen wäre, hätte ich Edwin vielleicht retten können."

Dan schwieg und malte sich mit Schrecken aus, was geschähe, wenn Laria so plötzlich sterben würde. Wie um seine Gedanken zu unterstreichen, öffnete sich plötzlich die Türe zu dem Raum, in dem Laria behandelt wurde. Eine brünette Krankenschwester im grauem Rock und weissem Hemd trat an Dan heran.
"Wie geht es ihr?"
"Physisch ist die junge Dame absolut in Ordnung. Wir konnten keine Probleme feststellen. Psychisch aber, ist sie sehr instabil. Grund dafür ist der Schock, den sie erlitten hat", die Krankenschwester sah ihn ernst an. "Ich bin offen zu ihnen: Sie wird nie mehr so sein, wie sie sie kannten. Vermutlich ist eine Änderung der Persönlichkeit eingetreten, sie wird vielleicht schweigsamer und abwesender - wenn nicht sogar Apathisch wirken."
Dan schluckte schwer. "Wird sie… könnte es sein, dass sie stumm wird?"
Die Krankenschwester lächelte freundlich. "Nein, nein, so schlimm ist es nicht."
"Da bin ich erleichtert. Ich nehme an, dass ich die Auswirkungen des heutigen Tages noch selbst erfahren werde. Vorausgesetzt, ich kann Laria besuchen?"
"Ich fürchte, das wird nicht möglich sein. Sie muss sich jetzt etwas ausruhen. Morgen aber, können sie eine Stunde mit ihr sprechen," die Krankenschwester nickte ihm zum Abschied zu und machte kehrt, um durch den langen Gang, der die einzelnen Patientenzimmer miteinander verband, zu verschwinden. Nach ein paar Schritten drehte sie sich noch einmal um. "Wir werden sie vorsichtshalber noch drei Tage hierbehalten, um Rückfällen vorzubeugen. Danach kann sie wieder an die Akademie!"

Dan seufzte, als die Schwester ausser Sichtweite war. "Fragt sich nur, ob wir überhaupt zurück an die Akademie wollen. Wir haben heute gesehen, zu was manche Angehörige der Armee fähig sind und welch Anweisungen ihre Befehlshaber erteilen. Ich glaube nicht, dass Laria weiterhin an die Akademie will. Und wenn sie die Akademie verlässt, dann tue ich das auch."
Alron sah ihn skeptisch an. "Und wohin willst du stattdessen hin? Du hast dein altes Leben abgelegt, seit dir dein Titel und den offiziellen Stand eines Kriegsmagiers im Dienste der Armee gegeben wurde. Du bist jetzt Dan Feuerklinge. Dein alter Name ist bedeutungslos, denn Dan Feuerklinge ist eine neue Person , ein Kriegsmagier mit Leib und Seele. Jedem Absolventen der Akademie sollte dies von Beginn an bewusst sein! Du solltest deine Vergangenheit und den Ort, den du ein Zuhause nennst, vergessen!"
"Sagt der Mann, der gerade eben noch von seinem verstorbenen Jugendfreund erzählte," schnauzte Er Alron an und bereute es sogleich. Was war in ihn gefahren? Er sollte mit dem Mann, dessen persönlicher Schüler er zwei Jahre lang gewesen war, nicht so grob umgehen.
Überraschenderweise wies Alron ihn gar nicht zurecht, vielmehr senkte er beschämt den Blick.
Eine peinliche Stille entstand, die Alron schliesslich brach. "Ich habe gehört, du hättest heute Morgen auf der Strasse das Bewusstsein verloren, stimmt das?"
"Kann sein."
"Geht es dir gut? Womöglich solltest auch du dich untersuchen lassen."
"Die haben wichtigeres zu tun," antwortete Dan schnell. "Im unteren Stock habe ich einen Jungen Stallburschen gesehen, dem einer der weniger gut gezähmten Drachen den halben Arm zerfleischt hat. Ich hingegen bin nur in Ohnmacht gefallen, wie ein Waschweib, welches aufregenden Tratsch hört."
"Ich habe bereits gesehen, wie die hartgesottensten Männer bei solchen Situationen in Ohnmacht fielen, es würde meine Besorgnis mehr erregen, wenn dir das nicht passiert wäre."
Dan stand auf und ging ans Fenster. "In den nächsten Tagen werde ich abreisen. Vermutlich werde ich mir eine Arbeit suchen, bei der ich viel herum komme. Als Strassenkünstler vielleicht?"
"Strassenkünstler?! Was für eine verrückte Idee!", rief Alron aus. "Ich habe Kontakt zu einem der Gardisten des Königs. Exemus heisst er. Er wird morgen nach 36 Jahren Dienstzeit in den Ruhestand gerufen. Der alte Hund hat mir erzählt, er wolle sich auch nirgends niederlassen und rastlos durchs Land ziehen. Ihr könntet euch gut miteinander verstehen."
Dan sah hinaus auf die Strasse. Ein weiterer Begleiter? Er hatte eigentlich nicht vorgehabt, jemanden ausser Laria auf seinen geplanten Reisen mitzunehmen, aber die Idee gefiel ihm. Er spielte sogar mit dem Gedanken, eine richtige kleine Truppe aufzustellen.
Dan sah auf die alten Ziegeldächer und Fachwerkhäuser, die die breite Pflasterstrasse säumten, auf der ein buntes Gemisch aus Leuten herumwuselte. Arme , Reiche, Alte, Junge, Gebräunte, Bleiche, krumme, stolze, blonde, rothaarige und so weiter. Sie waren so dicht zusammengedrängt und so zahlreich wie die Blätter eines Baumes. Nein, wie die Kieselsteine einer Landstrasse. Eine Landstrasse, gesäumt von hohem Gras und Buschwerk, nicht von Fachwerkhäusern mit Ziegeldächern. Und die Pferde und Fuhrwerke, die sich auf dieser Strasse befanden, waren die seiner Freunde und die der Soldaten.
Dan blinzelte. War er eingeschlafen? Sie befanden sich doch noch mitten auf der Reise. Er rutschte ein wenig im Sattel herum. Sein Hintern schmerzte gewaltig. Ob er wohl lange geschlafen hatte? Er gähnte herzhaft und rieb sich den steifen Nacken. Es war nicht gut, im Sattel einzunicken.
Dan sah sich um. Sie ritten gerade über eine weite Ebene, die mit trockenem Gras und kargen Büschen bedeckt war. Zumindest vermutete Dan, dass die Ebene weit war. Denn er konnte keine Meile weit sehen, da die Luft sehr feucht und schwül war. Der Himmel war bedeckt mit grauen Wolken, die scheinbar jederzeit bereit waren, kühles Nass auf die trockene Steppe regnen zu lassen. Hin und wieder vernahm man ein Donnergrollen.
Er war ganz verschwitzt, dicke Schweissperlen standen ihm auf der Stirn und sein Unterhemd klebte auf der Haut.
"Ach? Du bist endlich aufgewacht?" , Reska ritt neben ihm her und lächelte frech. Auch sie war etwas verschwitzt, also ging es nicht nur Dan so.
"Mhm. Ich hatte einen seltsamen Traum, oder eher eine Erinnerung. Als ob ich eine Phase meines Lebens noch einmal durchlebt hätte."
"Interessant, würde ich auch gerne mal erleben."
Dan sah sie interessiert an. "Gäbe es denn einen bestimmten Augenblick, den du noch einmal sehen möchtest?"
"Ja, die Zeit als ich noch beide Arme hatte. Nicht dieses klobige Metallteil!", sie hielt ihre Prothese hoch, auf der kleine Wassertropfen schimmerten. Mittlerweile fielen die ersten Regentropfen.
"Ich dachte, du hättest deinen Arm aus gutem Grund verloren. Er wurde dir öffentlich abgehackt, als du bei einem Diebstahl erwischt wurdest, wenn ich mich recht entsinne."
"Aus gutem Grund?! Ich habe nur einige Würste, ein Laib Brot und ein paar Ersatzteile geklaut, du Arsch!"
Dan erwiderte ihren wütenden Blick mit einem Lächeln. Reska wurde schnell wütend , aber sie war auch wieder leicht zu beruhigen.
"Stimmt. Die Ungerechtigkeit mancher Lehnsherren ist wirklich unerhört. Mit harmlosen Dieben, die nur etwas zu essen wollen, wird viel zu hart umgesprungen."
"Will ich doch hoffen, dass du dieser Meinung bist."
Dan sah nach vorne, an all den Soldaten vorbei, mit denen sie reisten. Die Gegend wurde felsiger, immer mehr rotbraune Steine ragten aus dem hohen Gras, das mittlerweile von heftigem Regen gepeitscht wurde. bald würden sie die Rostberge erreichen. Und mitten in diesen Bergen, entlang eines schmalen Gebirgspasses, befand sich die Rote Festung mit ihrem angeblich so grausamen Kommandanten. Dan war gespannt, was ihn dort erwartete.
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#2
Wie immer sehr gut gelungen;) 5/5
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#3
Vielen Dank :)
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